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Dauerausstellung

Jüdisches Museum

Innenansicht Museum
Foto: Max mustermann

Unsere Dauerausstellung dokumentiert die reichhaltige, bewegte und facettenreiche Geschichte der jüdischen Gemeinschaft in Jebenhausen und Göppingen. Sie lädt Besucher dazu ein, Identität, Kultur, Verfolgung und das Gedenken zu entdecken.

Boller Straße 10
73035 Göppingen-Jebenhausen

Mittwoch und Samstag 13 – 17 Uhr
Sonn- und Feiertag 11 – 17 Uhr

Eintritt 2 €, ermäßigt 1 €

Gruppen (ab 10 Personen) 1,50 € * Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre Bonuscard-Inhaber frei

Jüdisches Leben

Judentum ist mehr als Religion – es ist eine Lebensweise, die den gesamten Alltag prägt. Der Synagogenbesuch ist dabei nur ein kleiner Teil. Unsere Ausstellung zeigt Ihnen die wichtigsten religiösen Feste im Jahreslauf, zu denen besondere Ritualgegenstände und traditionelle Speisen gehören. Im Zentrum steht der Schabbat, der höchste jüdische Feiertag.

Juden in Jebenhausen

Die jüdische Gemeinde Jebenhausens startete am 7.7.1777 mit einem im Schloss unterzeichneten Schutzbrief. Bis 1850 wuchs sie auf rund 530 Personen an und erreichte fast die Größe des Christendorfs. Ein reiches Gemeindeleben entfaltete sich rund um Synagoge, Schule, Friedhof und rituelles Tauchbad. Nach der rechtlichen Gleichstellung im Jahr 1864 wendete sich das Blatt: Viele jüdische Bürger bauten sich eine neue Existenz im nahen Göppingen auf oder wanderten nach Amerika aus. 1899 wurde der letzte Gottesdienst in der Jebenhäuser Synagoge gefeiert.

Juden in Göppingen

Im Jahr 1867 gründeten die in Göppingen lebenden Juden eine eigenständige Gemeinde. Nur 13 Jahre später – die Gemeinschaft zählte inzwischen rund 240 Mitglieder – wurde 1880 der Grundstein für eine neue Synagoge gelegt. Ein zentraler Ort des jüdischen Alltags- und Kulturlebens war das Hotel Dettelbacher am Bahnhof, dessen Saal für feierliche Anlässe und Familienfeste genutzt wurde. Während der nationalsozialistischen Diktatur wandelten sich die Gasträume des Hotels zudem zu einem Rückzugsort für das jüdische Gemeindeleben.

Rabbiner Dr. Aron Tänzer (1871-1937)

30 Jahre lang leitete Rabbiner Dr. Tänzer die jüdische Gemeinde in Göppingen. Über alle Religionsgrenzen hinweg engagierte er sich leidenschaftlich für soziale und kulturelle Projekte – darunter für die Gründung einer öffentlichen Leihbibliothek. Aus tiefem Patriotismus meldete er sich im Ersten Weltkrieg freiwillig als Feldrabbiner an die Front. Doch statt der verdienten Anerkennung schlug ihm und der jüdischen Gemeinschaft nach Kriegsende blanker Hass entgegen: Sie wurden fälschlicherweise als „Drückeberger“ beschimpft und für die Kriegsniederlage verantwortlich gemacht.

Unterm Nationalsozialismus

Zwischen 1933 und 1938 trieben staatliche Gesetze und Verordnungen die systematische Diffamierung und Entrechtung der deutschen Juden voran. Die Novemberpogrome 1938 markierten dabei einen brutalen Wendepunkt: In dieser Nacht brannten die Nationalsozialisten auch die Göppinger Synagoge nieder. Das Verbrechen bildete den grausamen Übergang von der gesellschaftlichen Ausgrenzung zur systematischen Verfolgung und Vernichtung der jüdischen Bürgerinnen und Bürger.

Gerettet

Die Novemberpogrome 1938 lösten eine große Fluchtwelle aus: In den Folgemonaten flohen 143 jüdische Bürgerinnen und Bürger ins Ausland – die meisten in die USA und nach England. Wer im Land blieb, überlebte oft nur durch den Mut „stiller“ Helfer. Ein besonderes Schicksal teilt das Mädchen Inge Auerbacher. Sie wurde mit ihren Eltern im August 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Durch großes Glück überlebte die Familie die Haft.

Ermordet

Hinter Begriffen wie „Umsiedlung“ oder „Evakuierung“ in die Ostgebiete tarnten die Nationalsozialisten die systematische Ermordung der jüdischen Bevölkerung. Am 18. November 1941 erhielten die Göppinger Polizeidirektion und das Landratsamt die ersten offiziellen Befehle zu diesen Transporten. Unsere Ausstellung macht diese Tragödie greifbar und schildert exemplarisch den Leidensweg von fünf betroffenen Familien. Insgesamt wurden 64 jüdische Bürgerinnen und Bürger aus Göppingen direkt in die Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert – nur sechs von ihnen überlebten.

Anklagen – Erinnern – Gedenken – Begegnen

Der Fokus liegt auf den staatsanwaltlichen Ermittlungen zum Synagogenbrand und den Deportationen. Für großes Aufsehen sorgte 1959 die Verhaftung des Göppinger Apothekers Dr. Victor Capesius. Als ehemaliger Lagerapotheker in Auschwitz wurde er im späteren Frankfurter Auschwitzprozess zu neun Jahren Haft verurteilt.

Ein weiterer Schwerpunkt beleuchtet das Entstehen einer Gedenk- und Erinnerungskultur. In einer Filmeinspielung spricht die Holocaust-Überlebende und Buchautorin Inge Auerbacher, deren Vorfahren von 1777 an in Jebenhausen lebten, mit einer Göppinger Schulklasse (Aufnahme 2017). Daran schließt sich die Frage an, wie es ohne Zeitzeugen weitergeht?