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Über das Jüdische Museum

Im 19. Jahrhundert hatte Jebenhausen eine der größten jüdischen Gemeinden Württembergs. Das Museum widmet sich der Geschichte der Juden in Jebenhausen und Göppingen.

Am 7.7.1777 wurde im Schloss in Jebenhausen der Schutzbrief unterzeichnet. Um 1850 lebten in Jebenhausen rund 530 Juden. Damit hatte der jüdische Ortsteil fast die Größe des Christendorfs erreicht. Mit Synagoge, Schule, rituellem Tauchbad und Friedhof wurden die wichtigen Einrichtungen für das Gemeindeleben geschaffen. Nach der rechtlichen Gleichstellung 1864 verließen viele Juden das Dorf und zogen in die benachbarte Stadt Göppingen, nicht wenige wanderten aber auch nach Amerika aus. 1899 wurde in der Synagoge Jebenhausen letztmals ein Gottesdienst gefeiert.

Historisches Schwarz-Weiß-Foto einer Gruppe Frauen in weißen Kleidern mit einem Mann im Anzug und Fliege.

Die in Göppingen lebenden Juden gründeten 1867 eine eigene Gemeinde. 1880 legte die Gemeinde, die jetzt rund 240 Mitglieder zählte, den Grundstein für die neue Synagoge. Mit dem Hotel Dettelbacher am Bahnhof verfügte die Gemeinde über einen Saal für offizielle Feiern und Familienfeste. In der Zeit des Nationalsozialismus waren die Gasträume des Hotels ein Rückzugsort für das jüdische Gemeindeleben.

Historisches Schwarz-Weiß-Foto einer Straße mit Kirche und Gebäuden im Hintergrund.


Von 1933 bis 1938 folgte eine Phase der Diffamierung und zunehmenden Entrechtung der Juden in Deutschland durch staatliche Verordnungen und Gesetze. In dieser Entwicklung stellen die Ereignisse in der reichsweiten Pogromnacht 1938, in der auch die Göppinger Synagoge angezündet und zerstört wurde, einen Höhe- und Wendepunkt dar: Nun begann die systematische Verfolgung und Vernichtung der jüdischen Bürger durch die Nationalsozialisten und ihre Helfer. Nach außen hin wurde die „Endlösung der Judenfrage“ als eine vollständige „Umsiedlung“ aller Juden in entfernte Ostgebiete getarnt. Am 18. November 1941 wurden die Göppinger Polizeidirektion und das Landratsamt erstmals über die geplanten „Evakuierungen“ in Kenntnis gesetzt. Die Ausstellung schildert den exemplarisch den Leidensweg von fünf Familien. 64 Göppinger Juden wurden direkt in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Von ihnen überlebten nur 6.

Pogromnacht im November 1938

Nach der Pogromnacht im November 1938 zeichnete sich eine größere Auswanderungswelle ab. In den Monaten danach flohen 143 Juden ins Ausland. Die meisten fanden Aufnahme in den USA, gefolgt von England. Manche überlebten nur dank mutiger und „stiller“ Helfer. Das Mädchen Inge Auerbacher überlebte mit ihren Eltern dank großem Glück die Haft im KZ Theresienstadt, wohin die Familie im August 1942 deportiert worden war.