Das Göppinger Kochbuch von 1783 und die Ersterwähnung der Spätzle 1725
Ein Kochbuchbestseller aus Göppingen
„Kerbelsuppe, Hecht in der Butterbrühe, gute Wasserspäzlen, gefüllte Flädlen mit Äpfeln, Schokoladencreme“ – solche Speisen bereitete Rosina Dorothea Knoer (1733 – 1809) gemeinsam mit ihrem Dienstpersonal zu. Die Göppingerin stammte aus gutbürgerlichen Verhältnissen und war mit dem Stadt- und Amtsschreiber Karl Friedrich Knoer verheiratet. Die Ehe blieb kinderlos. Möglicherweise fand sie gerade deshalb die Zeit und Muße, sich intensiv der Kochkunst zu widmen und ein eigenes Kochbuch zu verfassen.
Im Jahr 1783 veröffentlichte sie über 650 Koch- und Backrezepte in einem Werk, das auf der Titelseite bescheiden von „einer Freundin der Kochkunst“ unterzeichnet war. Das erste Göppinger Kochbuch entwickelte sich rasch zu einem Verkaufserfolg und erschien bald in mehreren verbesserten und erweiterten Auflagen.
Bereits in der Erstausgabe finden sich verschiedene Rezepte für Spätzle – ein Hinweis darauf, wie fest diese Spezialität schon damals in der regionalen Küche verankert war.
Die Ersterwähnung der Spätzle?
Die bislang früheste bekannte Erwähnung von Spätzle stammt aus dem Jahr 1725. In einer Schrift über die Heilwirkung des Göppinger Sauerbrunnens beschreibt der fürstliche Rat und Leibarzt Rosinus Lentilius (1657–1733) nebenbei auch Küchentipps aus dem Kurbad. Dabei werden erstmals die schwäbischen „Spazen“ genannt. Lentilius berichtet:
„In des Badmeisters Küche zog ich Erkundigung ein /
ob man das Sauerwasser auch zum kochen gebrauche /
und bekamme zur Antwort /
daß alles / was von Meel zubereitet wird / als Knöpflein / Nudeln /
Spazen usw. schmakkhafter und lukkerer vom Sauer-Brunnen /
als von süssem wasser werden /
die Hülsen-Gemüser aber sich nicht wohl damit kochen liessen.“